Traditionelle Ostermärkte in Österreich

Wenn die ersten Frühlingsboten durch die österreichischen Täler ziehen und die Palmkätzchen an den Weidenzweigen sprießen, erwachen auch die traditionellen Ostermärkte des Landes zum Leben. Vom barocken Schloss Schönbrunn in Wien über mittelalterliche Burgen in Niederösterreich bis hin zu den Freilichtmuseen im Salzburger Land – die Ostermärkte sind weit mehr als nur Verkaufsveranstaltungen. Sie sind lebendige Schauplätze eines jahrhundertealten Brauchtums, das christliche und vorchristliche Traditionen auf einzigartige Weise miteinander verbindet.

Österreichs Ostermärkte finden traditionell im März und April statt, wobei sich der genaue Zeitraum nach dem Ostersonntag richtet – dem ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond. In der Regel öffnen die ersten Märkte bereits mehrere Wochen vor dem Osterfest ihre Tore und bieten Besucherinnen und Besuchern eine Mischung aus kunsthandwerklichen Schätzen, kulinarischen Genüssen und einem abwechslungsreichen Rahmenprogramm für die ganze Familie.

Die Wurzeln der österreichischen Ostermärkte

Die Geschichte der Ostermärkte in Österreich ist eng mit der christlichen Liturgie und den volkstümlichen Frühlingsbräuchen verwoben. Die Karwoche, die mit dem Palmsonntag beginnt und am Ostersonntag endet, bildet den zeitlichen Rahmen für die meisten Märkte. Viele der Traditionen, die heute auf den Ostermärkten gefeiert werden, reichen Jahrhunderte zurück. Der Name „Ostern“ selbst wird von einigen Forschern mit der germanischen Lichtgöttin Ēostre in Verbindung gebracht – ein Hinweis darauf, wie tief die Verflechtung von heidnischem Fruchtbarkeitsfest und christlicher Auferstehungsfeier reicht.

Die Tradition der Palmweihe am Palmsonntag gehört zu den ältesten und prägendsten Bräuchen. Da echte Palmzweige in Mitteleuropa nicht verfügbar sind, entwickelte sich im Alpenraum der Brauch der Palmbuschen: kunstvoll gebundene Sträuße aus sieben oder neun verschiedenen Zweigen, darunter Palmkätzchen, Buchsbaum, Haselnuss, Wacholder und Eibe. Diese werden in der Kirche gesegnet und sollen Haus und Hof vor Unglück, Krankheit und Unwetter schützen. In einigen Regionen werden die Buschen mit Brezeln, ausgeblasenen Eiern und bunten Bändern geschmückt – ein Anblick, der auf zahlreichen Ostermärkten des Landes bewundert und erworben werden kann.

Das Ratschen – immaterielles UNESCO-Kulturerbe

Einer der faszinierendsten Bräuche, der auf vielen Ostermärkten lebendig gehalten wird, ist das Ratschen. Von Gründonnerstag bis zur Osternacht schweigen der Legende nach die Kirchenglocken – sie seien „nach Rom geflogen“. In dieser Zeit ersetzen Kinder, meist Ministranten oder Jungscharkinder, das Glockengeläut mit hölzernen Ratschen. Sie ziehen durch die Dörfer, erzeugen ein charakteristisches Knattern und sagen dabei traditionelle Sprüche auf, etwa: „Wir ratschen, wir ratschen den englischen Gruß, den jeder katholische Christ beten muss.“ Als Dank erhalten die Kinder Süßigkeiten, Ostereier und kleine Münzspenden. Seit 2015 ist das Ratschen in der Karwoche als immaterielles UNESCO-Kulturerbe in Österreich anerkannt. Im Linzer Mariendom wird sogar vom Turm in 68 Metern Höhe herab geratscht – dafür müssen die Kinder 392 Stufen erklimmen.

Die schönsten Ostermärkte Österreichs im Überblick

Wien – imperiales Flair trifft Osterbrauchtum

Ostermarkt Schloss Schönbrunn: Der wohl romantischste Ostermarkt Österreichs findet vor der prachtvollen Barockkulisse von Schloss Schönbrunn statt. Rund 60 Aussteller präsentieren handbemalte Eier, Osterschmuck aus Glas, Keramik und Holz sowie kulinarische Spezialitäten aus allen Regionen des Landes. Für Familien bietet der Markt ein umfangreiches Kinderprogramm: ein Strohlabyrinth, Boule-Bahnen, ein Karussell, eine Kindereisenbahn und die beliebte Osterhasenwerkstatt, in der Kinder Marzipanhasen formen und Ostergestecke binden können. Live-Musik von Jazz- und Swing-Ensembles sorgt für Tanzlaune.

Altwiener Ostermarkt auf der Freyung: Seit 1990 findet auf dem historischen Platz in der Wiener Altstadt einer der traditionsreichsten Ostermärkte des Landes statt. Das Herzstück ist der größte Eierberg Europas – ein beeindruckendes Gebilde aus rund 40.000 handbemalten Ostereiern. Dazu gibt es Osterspezialitäten wie Osterpinze und gebackenes Osterlamm, Kunsthandwerk, Floristik sowie für die Kleinen eine Bastelwerkstatt und eine Kasperlbühne. Täglich ab 16:30 Uhr wird musikalische Unterhaltung geboten.

Ostermarkt Am Hof: Auf dem historisch bedeutenden Platz im ersten Bezirk verbinden über 50 Aussteller traditionelles Handwerk mit modernem Design. Ein Schwerpunkt liegt auf Glas- und Keramikwaren, ergänzt durch Filz-, Silber- und Seidenarbeiten. Kulinarisch stehen bodenständige Spezialitäten wie Speck und Apfelstrudel im Mittelpunkt.

Kalvarienbergfest: Im 17. Wiener Gemeindebezirk knüpft dieses Fest an die Tradition des historischen Fastenmarktes an. Es bietet Einblicke in die Kunst- und Kulturszene Wiens, ein feierliches Osterratschen am Karfreitag und ein Osterfeuer am Karsamstag – ein besonderer Geheimtipp für Besucher abseits der großen Touristenmärkte.

Niederösterreich – Schlösser und Burgen in österlichem Gewand

Ostermarkt auf Schloss Hof: An vier Wochenenden lädt einer der größten Ostermärkte Niederösterreichs zum Flanieren durch den blumenreichen Gutshof ein. Handgemachtes Kunsthandwerk, Ponyreiten, Kutschfahrten und eine Osterhasenwerkstatt machen den Markt zu einem Erlebnis für die ganze Familie. Das Barockschloss an der March bildet dabei eine eindrucksvolle Kulisse.

Waldviertler Ostermarkt auf der Rosenburg: Inmitten historischer Prunkräume und weitläufiger Gärten präsentieren regionale Aussteller traditionelles Kunsthandwerk – von handbemalten Ostereiern über geflochtene Körbe bis hin zu duftenden Blumengestecken.

Schloss Reichenau: Der bereits zur Tradition gewordene Ostermarkt im österlich dekorierten Schloss verbindet Bauernmarkt, Kunsthandwerksmarkt und Flohmarkt. Ein Osterbastel-Workshop, Kinderschminken und Kutschenfahrten runden das Programm ab.

Oberösterreich – Kunst und Brauchtum

Ostermarkt im Freilichtmuseum Stehrerhof: Unter dem Motto „Kunst und Brauchtum rund um Ostern“ bieten rund 70 Aussteller in liebevoller Handarbeit verzierte Ostereier und österliche Kunstwerke an. Das authentische Ambiente des historischen Freilichtmuseums schafft eine besonders stimmungsvolle Atmosphäre.

Schloss Aschach an der Donau: In der malerischen Umgebung des Schlosses präsentieren zahlreiche Aussteller handgefertigte Produkte und kreative Kunstwerke, begleitet von einem abwechslungsreichen Rahmenprogramm.

Schloss Traun: Über 100 Kunsthandwerker aus Österreich und den Nachbarländern zeigen ihre Arbeiten. Besonderes Highlight ist die Internationale Eierbörse, bei der Künstlerinnen und Künstler filigrane Eierkunstwerke präsentieren. In der Ringmantelanlage und im gesamten Herrenhaus gibt es Keramik, Glaskunst und Blumenschmuck zu entdecken.

Schloss Kefermarkt: Im festlich geschmückten Schloss stellen mehr als 80 Aussteller österliches Kunsthandwerk und regionale Spezialitäten aus. Besucher können traditionelle Handwerkstechniken wie das Weidenflechten hautnah erleben. Ein kostenloser Osterexpress bringt Besucher direkt zum Schloss.

Salzburger Land – Wo alte Bräuche lebendig sind

Salzburger Freilichtmuseum Großgmain: Im einzigartigen Ambiente historischer Bauernhäuser wird traditionelles Osterhandwerk lebendig: Heiliggeisttauben schnitzen, Palmbuschen binden und weitere Handwerkskünste können bestaunt und erlernt werden. Der Markt verbindet das Erlebnis eines lebendigen Museums mit österlichem Brauchtum.

Gut Aiderbichl in Henndorf am Wallersee: Der wohl tierischste Ostermarkt Österreichs. Auf dem bekannten Gnadenhof wird vor dem Palmsonntag gemeinsam mit Kindern Palmbuschen gebunden, während die zahlreichen Tiere des Hofes für eine besondere Atmosphäre sorgen. Kulinarisch locken Speck, frisches Brot, Käse, Bauernkrapfen und edle Schnäpse.

Burg Mauterndorf: In mittelalterlichem Ambiente erwartet Besucher ein frühlingshaftes Markterlebnis mit regionalen Handwerksprodukten und Köstlichkeiten aus dem Lungau.

Steiermark, Kärnten, Tirol und Vorarlberg

In der Steiermark locken der Retzhofer Ostermarkt auf Schloss Retzhof mit barrierefreiem Zugang und freiem Eintritt sowie die Osterausstellungen auf Schloss Farrach in Zeltweg, wo über 50 Aussteller Frühlingsgefühle wecken. In der Südsteiermark bietet die Straußenfarm Vötsch ein ungewöhnliches Setting für kunsthandwerkliche Osterschätze.

In Kärnten gehört der Ostermarkt in der Villacher Innenstadt zu den traditionsreichsten Veranstaltungen. Besonders beliebt ist die Kärntner Osterspeisensegnung (auch „Fleischweihe“ genannt), bei der Körbe mit Osterbrot, Schinken, Eiern, Kren und Kräutern am Karsamstag gesegnet werden – ein Brauch, dessen Wurzeln bis ins siebente Jahrhundert zurückreichen.

In Tirol bieten die Ostermärkte in Hall und am Innsbrucker Marktplatz handbemalte Eier, Spielwaren und die Möglichkeit, alte Bräuche wie das Karfreitagsratschen und Palmbuschenbinden hautnah zu erleben. Der Ostermarkt in Hall ist besonders familienfreundlich mit Mal- und Schminkstationen, Stelzenlaufen und Bobbycars.

In Vorarlberg findet der Dornbirner Ostermarkt traditionell im Pfarrpark statt und bildet einen ruhigen, besinnlichen Kontrapunkt zu den größeren Märkten im Osten des Landes.

Im Burgenland ist der Ostermarkt auf der Burg Forchtenstein das Highlight: In der österlich geschmückten Burg gibt es Osterschmuck und Blumengestecke ebenso wie regionale Kulinarik von Schinken über Marmeladen bis zu frischem Gebäck. Erwähnenswert ist auch die burgenländische Tradition der kroatischen Ostereierbemalung, eine über hundert Jahre alte Handwerkskunst, die von der kroatischen Volksgruppe im Burgenland gepflegt wird. In Winden am See befindet sich sogar ein Eiermuseum mit rund 4.000 Exponaten aus aller Welt.

Kulinarische Traditionen auf den Ostermärkten

Die österreichischen Ostermärkte sind auch kulinarische Schatzkammern. Neben der allgegenwärtigen Osterpinze – einem süßen, briocheartigen Hefeteig mit Safran und Anis – finden sich regionale Spezialitäten, die von Bundesland zu Bundesland variieren.

Der Kärntner Reindling, ein mit Zimt, Zucker und Rosinen gefüllter Germteigkuchen in der typischen Gugelhupfform, gehört ebenso zum österlichen Speisenangebot wie der Osterschinken, der in der Steiermark und in Kärnten besonders beliebt ist. Im Mostviertler Raum findet man die traditionellen „Godnküpfi“ – Patengeschenke in Form von süßem Gebäck. Auf den Ostermärkten werden außerdem frischer Kren (Meerrettich), handgemachte Marmeladen, geräucherter Speck, regionaler Käse und Knödelvariationen angeboten.

Am Gründonnerstag wird in vielen Regionen traditionell Spinat gegessen – obwohl der Name „Gründonnerstag“ wahrscheinlich nicht von der Farbe Grün stammt, sondern vom mittelhochdeutschen „grunen“ (weinen). Dennoch hat sich die Tradition der grünen Speisen als Symbol für den Frühling und neues Leben fest etabliert.

Das Kunsthandwerk – Herzstück der Ostermärkte

Das Osterei steht im Mittelpunkt des kunsthandwerklichen Schaffens auf Österreichs Ostermärkten. Die Techniken der Eiermalerei reichen von traditioneller Wachstechnik über filigranes Gravieren bis hin zu aufwendigen Motivmalereien. Im Lungau beispielsweise pflegen die Bewohner die besondere Variante der „Grawirlacheier“: Ein gekochtes Ei wird auf ein mit Kerbelkraut, Krokus und Zwiebelschalen belegtes Leinentuch gelegt, umwickelt und in Eierfarbe getaucht. So entstehen zarte, einzigartige Naturmuster.

Neben der Eierkunst zeigen die Märkte eine breite Palette an Handwerkskunst: geschnitzte Holzfiguren und Osterkrippen, geflochtene Körbe aus Weide, Blumengestecke, Keramik, Glaskunst, Filzarbeiten, Seidenmalereien und Silberschmuck. Die Palette der verwendeten Materialien – von Metall über Edelsteine und Horn bis hin zu Ton und Stoff – spiegelt die Vielfalt des österreichischen Handwerks wider.

Lebendiges Brauchtum rund um die Ostermärkte

Der Palmesel

Eine besondere Tradition, die eng mit den Ostermärkten und Prozessionen verbunden ist, ist der Pucher Palmesel in Puch bei Hallein im Salzburger Land. Dieser holzgeschnitzte Esel mit Christusfigur stammt aus dem 17. Jahrhundert und wiegt gut 100 Kilogramm. Jedes Jahr am Palmsonntag tragen vier Burschen des örtlichen Trachtenvereins den Esel mit Zaumzeug aus Kaurimuscheln durch den Ort – eine der ältesten noch lebendigen Palmesel-Prozessionen Österreichs. Die Tradition des hölzernen Palmesels war vermutlich bereits im 9. Jahrhundert bekannt und gewann ab dem 13. Jahrhundert an Bedeutung.

Osterfeuer

In der Nacht auf Ostersonntag erhellen spektakuläre Osterfeuer den Himmel über Salzburg, der Steiermark und Kärnten. Über mehrere Wochen hinweg bauen Männer bis zu zehn Meter hohe, kunstvoll gezimmerte Holztürme. Ganz besonders hell leuchten sie im Lungau. Im steirischen Brauchtum des „Kreuz-Hoaz’n“ werden an einem Kreuz christliche Sinnbilder zum Leuchten gebracht. Die Osterfeuer haben heidnische Wurzeln als Frühlings- und Fruchtbarkeitssymbol und werden heute als Freudensymbol für die Auferstehung Jesu interpretiert.

Eierpecken

Kein Osterfest ohne Eierpecken: Zwei Personen stoßen ihre hart gekochten, oft kunstvoll bemalten Eier an den Spitzen zusammen. Wessen Ei unversehrt bleibt, gewinnt die Runde. Dieses einfache, aber traditionsreiche Spiel wird in ganz Österreich praktiziert und ist auf vielen Ostermärkten ein beliebtes Highlight für Jung und Alt.

Die Osterspeisensegnung

Die Osterspeisensegnung (auch „Fleischweihe“ genannt) ist ein Brauch mit Wurzeln im siebenten Jahrhundert. Am Karsamstag werden Körbe mit Osterbrot, Schinken, Ostereiern, Kren, Salz und Kräutern in die Kirche gebracht und gesegnet. Der Inhalt findet seine Bestimmung in der anschließenden „Halleluja-Jause“ – dem festlichen Osterfrühstück. Besonders beliebt ist dieser Brauch in Kärnten und der Steiermark, wo die Segnung auch tagsüber am Karsamstag bei Kirchen, Kapellen und sogar an Bildstöcken und Wegkreuzen stattfindet.

Praktische Tipps für den Besuch

Wer die Ostermärkte in Österreich besuchen möchte, sollte einige Dinge beachten: Die großen Wiener Märkte wie jener vor Schloss Schönbrunn oder der Altwiener Ostermarkt auf der Freyung sind in der Regel von Anfang April bis zum Ostermontag geöffnet, meist täglich zwischen 10 und 20 Uhr. Der Eintritt zu den meisten Wiener Ostermärkten ist frei. Schloss Hof und einige andere Schloss-Märkte verlangen einen Eintrittspreis (für Erwachsene ca. 10 Euro, Kinder ca. 5 Euro).

Die kleineren, regionalen Märkte finden oft nur an einem oder zwei Wochenenden statt, weshalb eine rechtzeitige Planung empfehlenswert ist. Viele der Schloss-Ostermärkte außerhalb Wiens bieten kostenlose Parkplätze und sind gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Besonders lohnenswert ist ein Besuch unter der Woche, wenn weniger Andrang herrscht und man die Atmosphäre in Ruhe genießen kann.

ostermaerkte.at – Die schönsten Ostermärkte in Österreich ostermaerkte.at

austria.info – Ostermärkte und Osterbräuche in Österreich www.austria.info

wien.info – Wiens Ostermärkte www.wien.info

willkommen-oesterreich.at – Ostermärkte in allen Bundesländern www.willkommen-oesterreich.at

fuschlsee.salzkammergut.at – Osterbräuche in Österreich fuschlsee.salzkammergut.at

religion.orf.at – Osterbräuche: Von Palmlatten bis Schokohasen religion.orf.at

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